wernigerode im harz: mein Top tipp für Stadt- und Genusswanderer

10. MÄRZ 2021

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

Das Rathaus in Wernigerode

die bunte stadt im harz

Wernigerode wird nicht zu Unrecht die „Bunte Stadt im Harz“ genannt. Schon der Heidedichter Hermann Löns wusste, wovon er sprach, als er diesem kleinen Fachwerkjuwel in Sachsen-Anhalt erstmals seinen Besuch abstattete.

 

So schlendere ich an diesem klirrend kalten Wintermorgen tief beeindruckt entlang der „Breiten Straße“ an zauberhaften Fachwerkfassaden vorbei, die im hellen Sonnenlicht in den schillernsten Bonbonfarben wie frisch polierte Auslegware um die Wette strahlen.

 

Nicht nur bunt, sondern auch äußerst geschmackvoll restauriert und bis ins kleinste Detail aufgearbeitet, kann ich mich kaum sattsehen an den Inschriften und kunstvollen Malereien, die fast jedes Haus in diesem idyllischen Kleinod zieren.

 

1121 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, entpuppte sich die Stadt Wernigerode im Harz im Laufe der Jahrhunderte zu einem historischen Unikat, dessen Stadtbild noch heute von unzähligen Attraktionen geprägt ist wie beispielsweise dem Rathaus, dem Schiefen Haus, der St. Sylvestrikirche, dem Marktplatz, dem Kleinsten Haus, der Stadtmauer und nicht zu vergessen dem imposanten Schloss Wernigerode, welches hocherhoben auf 170 Meter in prunkvoller Eleganz über der Stadt thront.

 

Das Rathaus in Wernigerode mit seinen zwei imposanten Türmen

Am Brunnen vor dem Rathaus in Wernigerode

Der Marktplatz in Wernigerode im Harz

Das Rathaus, die Sylvestrikirche und der Klint

Von der „Breiten Straße“, die sich einmal quer durch den gesamten Altstadtkern zieht, erreiche ich linker Hand ein Urgestein der fachwerklichen Baukunst. 1583 erbaut und seit 1897 als Konditorei und Kaffeehaus in Betrieb, möchte ich gerade nur eines:

 

Dem „Café Wien“ einen Besuch abstatten und in Vergangenheit und Gegenwart zugleich schwelgen. Ob hier an diesem zeitentrückten Ort Kaffeehauskultur so groß geschrieben wird, wie es der Name dieser antiquiert wirkenden Institution vermuten lässt?

 

Die Antwort werde ich in diesem Winter wohl nicht bekommen, denn Corona sei Dank erübrigt sich ein Besuch, der mir das Erlebnis eines nostalgiegeschwängerten Caféhausflairs ganz sicher ermöglicht hätte.

 

Ich ziehe widerwillig, obgleich neugierig weiter meines Weges und gelange kurzerhand auf einen großen, weiträumigen Platz. Vor mir öffnet sich der historische Marktplatz, der viel Raum zum Innehalten und Staunen lässt.

 

Im Herzen der wohl üblicherweise quirligen Begegnungsstätte ragt markant und unverwechselbar das Herzstück architektonischer Baukunst empor.

 

1227 als Spielhaus errichtet, fungierte das Wernigeröder Rathaus mal als Weinkeller, dann als Kaufhaus, bis es im 16. Jahrhundert endlich seine wahre Berufung als Rathaus fand. Aufgeregt und gleichermaßen fasziniert versuche ich jedes noch so kleine Detail an der prächtigen Hausfassade in mich aufzusaugen.

 

Spielhaus, Weinhaus und Rathaus

Das Schiefe Haus in Wernigerode

Am Klint in Wernigerode

Die St. Sylvestrikirche am Klint in Wernigerode

vor dem Kleinsten Haus in Wernigerode

 

33 Figuren, die ich akribisch eine nach der anderen gezählt habe, verzieren formvollendet die schrägen Kraggen unterhalb der Traufe. Dabei handelt es sich zum Teil um die handwerklichen Zünfte, wohl aber auch um Heiligenfiguren.

 

Und erst die fragil wirkenden Türmchen, die sich spitz zulaufend gen Himmel verjüngen. Prachtvoll!

 

Kaum daran sattgesehen, begebe ich mich auf meiner weiteren Erkundungstour in Richtung Schloss. Dabei gelange ich an einen Ort, der sich wie eine stille Oase aus dem Altstadtkern zu schälen scheint. Am Klint, so die Bezeichnung dieser urbanen Oase, erspähe ich die St. Sylvestrikirche und das Museumsareal des „Schiefen Hauses“.

 

Kurz nachdem ich ein Foto geschossen habe, erfahre ich, dass das Schiefe Haus nicht immer schief war. Lotrecht, waagerecht und auch ansonsten auf einer Ebene mit dem Horizont errichtet, senkte sich das Fundament aufgrund einer Unterspülung des Mühlgrabens im Laufe der Jahrhunderte Stück für Stück langsam aber sicher ab.

 

Dem Charakter dieses denkmalgeschützten Zeitzeugens tut es jedenfalls keinen Abbruch.

 

Direkt auf der gegenüberliegenden Seite schmiegt sich der neogotische Bau der St. Sylvestrikirche ganz natürlich in sein urban begrüntes Umfeld ein. Am Klint atmet man Nostalgie und frische Luft zugleich. Die Natur ruft und ich erhoffe mir noch eine kleine Wanderung hinauf zum Schloss und zu einem Aussichtspunkt, der vom Hörensagen sensationelle Weitblicke über den Nationalpark Harz eröffnen soll.

 

"Die bunte Stadt im Harz", so nannte Hermann Löns Wernigerode

Historische Altstadtkuriositäten in Wernigerode

Fachwerkoase Wernigerode

die alte neustadt und das kleinste haus wernigerodes

Und nicht nur das. Vom Agnesberg, dem Stadtberg Wernigerodes, erblickt man das im Stil des Historismus erbaute Schloss in seiner allumfassenden Gänzlichkeit und prachtvollen Größe. Ganz bestimmt möchte ich mir auch dieses vielversprechende Postkartenmotiv nicht entgehen lassen.

 

Doch zuerst muss ich noch die alte Neustadt durchqueren und einige sportliche Höhenmeter überwinden, um meinem Ziel näher zu kommen.

 

Und so setzte ich meine Stadtwanderung fort und marschiere geradewegs auf eine ulkige Aneinanderreihung bunt bemalter Häuserreihen zu. Ungleich in Größe, statisch krumm und schief sticht mir sofort ein einzelnes Haus ins Auge.

 

Das „Kleinste Haus“, das je in Wernigerode existiert hat, wurde 1792 in eine Baulücke von gerade Mal 2,95 Meter gequetscht.

 

4,50 hoch, beherbergte es doch tatsächlich eine Küche, einen Wohnraum sowie ein Schlafgemach und obendrein noch weitere 10 Personen, die diesem gemütlich kuscheligen zu Hause erst den richtigen Wohlfühlfaktor verpassten.

 

Die alte Neustadt in Wernigerode

Fachwerkzauber in Wernigerode

die "schöne ecke", das Halbschalentürmchen und die stadtmauer

Da solle noch einer behaupten, in den alternativen „Tiny Houses“ von Heute ließe es sich nicht leben. Den Trend zumindest hat man wohl hier in Wernigerode bereits vor mehreren hundert Jahren gesetzt.

 

Fröhlich und voller Elan durchwandere ich mittlerweile, dabei stets das Schloss im Blickfeld, die alte Neustadt. Nun windet sich der Weg durch die Ausläufer der urbanen Zone immer steiler bergauf. Durch ein letztes, von Fachwerkbauten geprägtes Wohngebiet gelange ich auf eine Anhöhe des Burgberges, die als „Schöne Ecke“ bekannt, ein Stück des Weges entlang der restaurierten Stadtmauer führt.

 

Der gut erhaltene, freiliegende Halbschalenturm, der als einer von 30 Verteidigungstürmen diente, erinnert mich irgendwie an Rapunzels Gefängnis, aus dem der Prinz die verwunschene Prinzessin nach langer, fast vergeblicher Suche rettete – und sie sodann gleich auf das oberhalb des Burgberges gelegene Schloss entführte.

 

Was für ein schöner Gedanke, sinniere ich und wandere inzwischen auf einem von Tiefschnee bedeckten, ausgetretenen Pfad stapfend vor mich hin. Immer steiler und an Höhe gewinnend, gelange ich durch bewaldetes Gebiet alsbald auf wiederkehrend aussichtsreiche Höhenabschnitte, von wo aus nicht nur das zauberhafte Fachwerkmosaik der Stadt Wernigerode vor mir aufblitzt, sondern auch das ferne Land des nordwestlichen Harzes sichtbar wird.

 

Rundwanderung: über den Annaweg ins Christianenthal zum Agnesberg

Restaurierter Halbschalenturm an der "Schönen Ecke" in Wernigerode

Das Eiszapfenhaus - winterliche Attraktion unterhalb des Burgberges in Wernigerode

Fackwerkviertel unterhalb des Burgberges in Wernigerode

 

An einer allerletzten Sehenswürdigkeit tappe ich auf knirschendem Untergrund mit weit aufgerissen Augen vorbei. Ja, ist es denn möglich? Ein Eiszapfenhaus, so wie es das nur im Bilderbuch oder auf den tollsten Postkartenmotiven zu bestaunen gibt.

 

Eine Sehenswürdigkeit, die offiziell gar keine ist. Und dennoch ist sie zu schön, um wahr zu sein. Ich reibe mir die Augen einmal, zweimal und noch ein drittes Mal, damit ich auch glauben kann, was ich gerade sehe. Tatsächlich! Riesige Eiszapfen hängen wie scharf geschliffene Messerklingen von dem schneebedeckten Dach des Wohnhauses herab, das mit seinen roten Fensterläden ein bisschen wie das Knusper-Knusper-Knäuschen-Haus der bösen Hexe aus dem Märchen Hänsel und Gretel anmutet.

 

Wäre dieses prachtvolle Schneegebilde aus Zuckerguss und Zuckerwatte, ich würde es mir nicht verbieten, sofort daran zu knabbern.

 

Blick auf die Stadt Wernigerode und den nordwestlichen Harz

Wanderung zum Agnesberg mit Blick auf den Brocken

Rundwanderwege in Wernigerode

Hotspot: panoramablick auf schloss wernigerode vom agnesberg

Doch mein Hunger muss noch eine Weile warten.

 

Knapp eine Stunde werde ich noch brauchen, um den Agnesberg, einer der wohl eindrucksvollsten Aussichtspunkte Wernigerodes, zu erreichen.

 

Und so folge ich dem kleinen Schneepfad unbeirrt in Richtung Wildpark Christianenthal, über den Annaweg, den Blumenweg und noch weiter hinauf auf luftige 386 Höhenmeter. Tiefer und tiefer stapft es sich mittlerweile durch pulverweißen Schnee. Dabei knirscht es mit jedem Tritt so winterlich angenehm.

 

Vom Wildpark schlängelt sich der Waldpfad für ein kurzes, aber intensives Stück extrem steil bergauf. Nach schappatmungswürdigen 15 Minuten ist der Höhenkamm endlich erreicht, auf dem ich nun moderat ansteigend meinem Ziel immer näher komme.

 

Der Wald, der mich von Eichen und Buchen wie ein beschützender Mantel sanft umschließt, zeigt sich am heutigen Tag in seinem schönsten winterlichen Gewand. Überall auf den Ästen glitzert der kristallene Schnee. Magisch erstrahlt das Winterwunderland im Licht der goldenen Sonne. Vielleicht ist das heute der schönste Wintertag, den ich in diesem Jahr erleben werde?

 

Panoramaussicht auf den Brocken

Postkartenmotiv am Agnesberg auf das Schloss Wernigerode

Schloss Wernigerode vom Agnesberg

Doch es kommt noch viel besser. Als ich nach ca. 1,5 Stunden den Agnesberg erreiche, eröffnet sich vor mir eine traumhafte Kulisse auf das Wernigeröder Schloss, die Altstadt und die sich in weiter Ferne verschwommen abzeichnenden Umrisse des Brockens.

 

Wie lohnend dieser kleine Stadtspaziergang doch war! Über den „Grüne-Käse-Weg“ wage ich nach einer kurzen Pause den Abstieg  zurück nach Wernigerode.

 

Allmählich senkt sich im Tal die Sonne nieder. Ein paar letzte Strahlen streicheln noch einmal meine sonnenverwöhnten Wangen und kitzeln ebenso sanft meine juckende Nase.

 

Glücklich und zufrieden beschließe ich einen erlebnisreichen Wintertag, der mir sowohl Stadterlebnis als auch Wandergenuss auf höchstem Niveau beschert hat.

 


Moderate Rundwanderung mit Anstiegen vom Altstadtkern in Wernigerode über den Annaweg zum Agnesberg.

 

Start: von Altstadtkern (Marktplatz) in Wernigerode

Streckenlänge: 8,4 km

Aufstieg: 386 m

Tourenart: Rundwanderweg mit Anstiegen

Dauer: ca. 3 Stunden (retour)

Schwierigkeitsgrad: moderat, Kondition erforderlich

     

Ausrüstung: Funktionsbekleidung oder winterliche Kleidung, Wanderschuhe beziehungsweise wetterfestes Schuhwerk

 

Vom Marktplatz in Wernigerode führt der historische Stadtwanderweg vorbei am Schiefen Haus, der Sylvestrikirche und dem Kleinsten Haus durch die alte Neustadt hinauf zur Anhöhe unterhalb des Burgberges. Entlang der Stadtmauer mit seinem Halbschalentürmchen windet sich der Waldwanderweg rechter Hand nun stetig bergauf. 

 

Herrliche Panoramablicke auf die Stadt Wernigerode und den nordwestlichen Harz werden dabei immer wieder freigelegt. Durch das Christianenthal bis zum Wildgehege wandert man moderat eben ab.

 

Von dort geht es ein 15-minütiges Stück steil bergauf, bis man den Höhenkamm des Agnesberges erreicht. Auf dem Kamm läuft es sich noch knapp 20 Minuten mit leichten An- und Abstiegen, bis der Aussichtspunkt auf das Schloss Wernigerode erreicht wird.

 

Über den stetig absteigenden Grüne-Käse-Weg führt die Rundwanderung nach ca. 20 Minuten zurück ins Altstadtzentrum von Wernigerode.

     

Auf der Suche nach mehr fachwerklichen Anreizen?

 

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#Stadtwandern Eifel: Monschaus märchenhafter Charme

 

#Neuerburg Eifel: Burgwanderwege, historische Hotspots und einmalige Aussichtspunkte

 


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