durch die schlucht ZUM GIPFEL DES olmyps

DIE ERSTE ETAPPE VON LITOCHORO NACH PRIONIA AUF 1100 M

06. OKTOBER 2020

UNAUFGEFORDERTE WERBUNG

©Nicole Hacke

Viele Mythen ranken sich um den höchsten Berg Griechenlands. Schließlich und endlich war der Olymp die Wohnstätte der griechischen Götter. Und auch heute erzählt man sich gerne immer mal wieder die eine oder andere sagenumwobene Geschichte, die so faszinierend ist wie der sehnsüchtige Wunsch, den eindrucksvollen „Fast-Dreitausender“ einmal im Leben selbst zu bezwingen.

 

Als beliebtes und äußerst begehrtes Wander- und Bergsteigerziel bietet das gewaltige Bergmassiv des Olymps mit seinem höchsten, auf 2917 m gelegenen Gipfel - den Mytikas, nicht nur anspruchsvolles Klettervergnügen. Auch der genießerische Wanderfreund kommt mit einigen leichteren bis moderaten Wandertouren voll und ganz auf seine Kosten.

 

Ausgangspunkt für einen Großteil aller gut ausgewiesenen Touren ist das unaufgeregte, wenn auch lebendige Gebirgsdorf Litochoro, von wo aus man die knapp 3-tägige Gipfelbesteigung auf den Olymp starten kann.

 

Nahe der Ostküste Griechenlands gelegen und etwa 80 km von Thessaloniki entfernt, erreicht man dieses unvergleichlich schöne Naturparadies in knapp 1 Stunde mit dem Auto. Dort angekommen, erwartet einen eine außergewöhnliche Artenvielfalt und eine ebenso reiche Flora. Nicht umsonst zählt das Areal rund um den Olymp zum geschützten Nationalpark, der von seinen Hütern regelmäßig gehegt und gepflegt wird.

 

Auch die unzähligen Naturpfade werden dabei auf Herz und Nieren geprüft, was den besonders tadellosen Zustand der ausgewählten Wanderwege erklärt.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

Und auf genau solchen Pfaden will ich wandeln, denn der Berg ruft mal wieder. Ich spüre es und folge kurz entschlossen seiner Aufforderung, denn es juckt mich ganz besonders in den kleinen Zehenspitzen, die in ihren Wanderschuhen hibbelnd aufgeregt frohlocken, endlich ihrem Bewegungsdrang freien Lauf lassen zu können.

 

Auf meiner heutigen Etappe durchwandere ich von Litochoro ausgehend, dem europäischen Fernwanderweg E4 folgend, die Epineas-Schlucht, die mich auf einem fünfstündigen Streckenabschnitt durch Steineichen-, Buchen- und Kiefernwälder, vorbei an der Klosterruine Agios Dionysios nach Prionia auf 1100 m führt.

 

Entlang der gepflasterten Dorfstraße, die mich vom Ortskern oberhalb der orthodoxen Hauptkirche an den Eingang der Epineas- Schlucht bringt, genieße ich schwelgerisch den herrlich sonnigen Tag. Bei strahlend blauem Himmel und trocken auf der Haut brennenden mediterranen Temperaturen lausche ich dem Summen der Bienen und verspüre eine leichte spätsommerliche Brise, die mir bei andauernd hitzestarken 35 Grad eine angenehme Abkühlung verspricht.

 

Vorbei an einer kleinen Kapelle, die von hohen Zypressen und einer buschig grünen Hecke geschützt wird, setze ich meinen Weg noch sehr dynamisch und voller Elan fort.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

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Nach gerade mal 10 Gehminuten komme ich am Eingang der Schlucht an und gelange zuerst über einen gepflasterten Steg, der durch ein stabiles Gelände gesichert ist, in das Innere der unter mit tief herabfallenden Schlucht.

 

Gewaltige Bergflanken tun sich vor meinen Augen auf. Steil und viele Hundert Meter tief geht es senkrecht bergab in den Schlund der eindrucksvollen Schlucht, die nur das rauschende Gurgeln des fernen Enipeas erahnen lässt.

 

Ich verweile einen kurzen Augenblick, um mich an der Naturpracht, dem tiefen Tal, das sich weit bis zum Horizont in die scheinbar unwegsame Schlucht hinein gräbt, sattzusehen.

 

Dann verlasse ich den gesicherten Steg, der ein fantastischer Aussichtspunkt für Spaziergänger ist, und steige über schroffe Kalksteinfelsen auf deutlich alpinem Untergrund weiter hinauf in die üppig wuchernde Vegetation der ursprünglich gebliebenen Laubwaldbestände.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

Über teils kultivierte Treppenpassagen und steinerne Absätze, die Po- und Bauchmuskulatur auch mal bis zum Anschlag fordern, geht es weite Abschnitte immer wieder steil bergauf und bergab, mal durch schattige urwaldähnliche Laubwälder, die wohltuende Kühle versprechen, bis hin zu traumhaften und ausgesetzten Felsvorsprüngen, die in großer Vielzahl vorhanden sind. 

 

Langweilig wird es nicht, auch wenn der Wanderpfad immer stur dem Schluchtenverlauf folgt.

 

Nach einer knappen Stunde erreiche ich zu meiner freudigen Überraschung einen malerischen Aussichtspunkt, der mir eine sagenhafte Sicht auf die Ägäis offenbart. Weit hinten am fernen Horizont in einem „melangeähnlichen“ Dunst aus milchblauem Himmel, verwischen sich die Konturen zwischen Horizont und Meer miteinander und hinterlassen einen grenzenlosen Himmel, der wie ein einziger königsblauer Wandvorhang in der Weite des Landes schimmert.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

Kräftezehrende Anstiege überwindend, geht es nun immer weiter hinauf, dem Olymp entgegen. Nach mehr als vier Stunden hat sich die ewige Berg- und Talfahrt erledigt. Das Ziel heißt nun: nur noch nach oben!

 

Bald schon erreiche ich die Überbleibsel der Klosterruine Agios Dionysos, die sich in einer friedlichen, von dichten Kiefern bewachsenen schattigen Oase befindet. Kaum möchte man glauben, dass deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg diesen heiligen Ort gesprengt haben.

 

Doch von der melancholischen Stimmung, die dieser historisch-nostalgische Ort versprüht, werde ich mich nicht erfassen lassen. Der Tag ist viel zu schön, das Licht warm und golden. Schon die ganze Zeit nehme ich eine besondere Atmosphäre wahr, die durch das Licht potenziert wird. „Phos“, sowie das Licht auf Griechisch heißt, entwickelt hier in dieser naturschönen Umgebung eine besondere Magie. 

 

Es ist wohl das „eine Licht“, wie es nur in Griechenland strahlt, ganz besonders in jenen Momenten, wenn die spätabendliche Sonne ihr glutrotes Antlitz in das Türkisblau des Meeres taucht und es in funkenrote Flammen setzt.

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

Mittlerweile ist es recht spät geworden, mein Weg zum Glück aber nicht mehr weit. In einer knappen Stunde werde ich mein erstes Etappenziel, das sich auf 1100 m befindet, erreichen.

 

Immer noch passiere ich exponierte Felslandschaften, die mir wie mythische Gebilde erscheinen. 

 

Oder waren hier vielleicht die Götter selbst am Werk, um sich in den massiven Gesteinsbrocken zu verewigen?

 

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

©Nicole Hacke

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Die Antwort auf diese Frage werde ich wohl nie erhalten. Letztendlich muss ich es auch gar nicht so genau wissen. Allein die Vorstellung, dass es so sein könnte, lässt mich zufrieden meinen Weg fortsetzen.

 

Als ich endlich am frühen Abend in Prionia ankomme, meine Füße einmal mehr spüre als gewöhnlich, auch den leicht ziehenden Schmerz, der sich unter meinen Fußballen breit macht, bin ich dennoch oder vielleicht sogar deshalb voller Freude und Dankbarkeit, diesen Weg beschritten zu haben.

 

Mit dem Taxi geht es vorerst zurück nach Litochoro, wo ich die Nacht verbringen werde. 

 

Ganz bestimmt werde ich von meinem heutigen Wandererlebnis träumen und mir insgeheim wünschen, der Gipfel wäre bereits zum Greifen nah.

 

Aber morgen ist schließlich auch noch ein Tag!


Tourenbeschreibung:

 

Mittelschwere Wanderung vom Ortskern in Litochoro durch die Schlucht des Olymps nach Prionia

 

Start: vom oberen Ortskern in Litochoro

Streckenlänge: 11 km

Aufstieg: 1100 m

Tourenart: Schluchtenwanderung

Dauer: 5 Stunden 

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, Kondition und Trittsicherheit erforderlich

 

Ausrüstung: Funktionsbekleidung, Wanderschuhe, Wechselkleidung, ausreichend Proviant und Wasser (min. 2 Liter).

 

Vom oberen Ortskern in Litochoro startet der gut ausgeschilderten Wanderweg unweit der orthodoxen Hauptkirche. Vorbei an einer kleinen Kapelle auf asphaltierter Straße führt der vorerst gut ausgebaute Weg alsbald über alpine Gebirgspfade moderat bergauf.

 

Durch überwiegend belaubte Wälder mit exponierten Felsabschnitten und herrlichen Weitsichten auf das umliegende Tal und die Schlucht windet sich der schmale Naturpfad im Wechsel stetig bergauf und bergab. 

 

Nachdem die Klosterruine Agios Dionysos erreicht wird, geht es dann nur noch bergauf.

 

Eine weitere Stunde in bewaldeter Umgebung marschiert man noch, bis das Etappenziel Prionia in greifbare Nähe rückt und man endlich auf 1100 m angekommen ist.

 

Lese auch meinen Beitrag zu ersten Etappe:

 

#am Fuße des Olymps

 

Möchtest Du das Festland erkunden oder aber lieber auf eine griechische Insel. Unter folgenden Beiträgen findest Du weitere Anregungen und Tipps:

 

#der Morbide Charme von Kavala

#es grünt so grün auf Thassos

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