eine liebeserklärung an die Heimat

25. MÄRZ 2020

 

In Zeiten der Globalisierung, der schnellen und günstigen Reisen, der grenzenlosen Möglichkeiten, scheint die Idee zum Greifen nah, einmal die ganze Welt zu bereisen.


Unzählige Schmöker suggerieren uns sogar, dass wir das können. Mindestens 1000 Orte weltweit muss man gesehen habe, bevor man den Löffel abgibt, so der Titel eines Bestsellers. Schön und gut. Nur was hat man am Ende davon, wenn man solch eine Lebensliste abarbeitet und schon währenddessen tot umfällt?
Sicherlich ist diese Herangehensweise nicht sonderlich erstrebenswert. Kein Mensch wird es jemals schaffen, die ganze Welt zu bereisen, es sei denn, er ist in der glücklichen Lage, sich das Reisen zum Hauptberuf auserkoren und damit ziemlich früh angefangen zu haben. Und selbst dann stellt sich mir die Frage, ob er dann wirklich jeden kleinsten Winkel auf den Kontinenten unserer Erde, in den jeweiligen Ländern
erforscht hat.


Geht das überhaupt? Und was sind die schönsten Orte auf der Welt?


Ich denke, dass ist für jeden eine ganz individuelle, sehr persönliche Entscheidung. Für mich ist es gar nicht so erstrebenswert über die Ozeane zu fliegen, um mir beispielsweise die USA oder Lateinamerika anzusehen. Nicht, das mich das gar nicht interessieren würde. Nur muss ich mir immer wieder vor Augen führen, dass ich bislang noch nicht mal alle europäischen Länder bereist habe. Und die reizen mich momentan mehr als der Rest der Welt.

 

 

Was mich allerdings noch mehr reizt, ist mein Heimatland, das mir bislang nicht so viele intensive Entdeckungsmomente beschert hat. Sicherlich habe ich viele Hauptsehenswürdigkeiten sowie die bedeutendsten Großstädte bereits auf meiner Lebensliste abgehakt. Aber mein eigenes Bundesland kenne ich nicht annähernd so gut, wie meine Westentasche.


Das aber könnte man doch ändern?


Deutschland mit seinen diversen Bundesländern, regionalen Eigenheiten, vielschichtigen Traditionen und bezaubernden Landschaften bietet eine Vielzahl an Aktivitäten, die für jeden das passende bereit hält. Wandern in den Alpen, Sonnenbäder an der Nord- oder Ostsee, pittoreske Weinlandschaften am Rhein oder an der Mosel. Schwarzwaldzauber in Baden Württemberg und dann noch die vielen kulturellen Highlights, angefangen mit den Bayreuther Festspielen, den Passionsspielen in Oberammergau, den Bregenzer Festspielen am Bodensee bis hin zu den Thurn & Taxis Festspielen in Regensburg.


Schlösser, Seen, historischen Stätten, kulinarische Vielfalt, Museen, traditionelle Feste. Die Liste der touristischen Möglichkeiten nimmt einfach kein Ende. Würde man sich wirklich mal eingehender mit seinem eigenen Land beschäftigen, so hätte man, ohne Zweifel, genug zu unternehmen. Seit ein paar Jahren bin ich zunehmend, leider meistens nur an den Wochenden, innerhalb Deutschlands unterwegs und stelle dabei immer wieder voller Erstaunen fest, dass es sehr schöne, noch unentdeckte Orte gibt, die mich faszinieren und auch total verblüffen. An manchen gehe ich sogar immer wieder vorbei ohne zu sehen, was für Juwelen sich dahinter versteckten. Ist das nicht merkwürdig?

 

 

Ich schließe Weltreisen nicht kategorisch aus, aber unbedingt machen muss ich sie nicht. Die Langstreckenflüge sind anstrengend, der Jetlag schlaucht, die Distanzen, die man in Ländern, wie den USA oder Lateinamerika überwinden muss sind so extrem groß, dass man fast seinen ganzen Jahresurlaub dafür aufbrauchen muss.


Und hat man dann in einem so großen Land wirklich alles entdeckt?

 

Sicherlich nicht! Einen groben Überblick wird man sich verschafft haben, wenn man nicht gerade vier Wochen an Ort und Stelle geblieben ist. Und das bedeutet, man hat mal hier, mal dort flüchtig die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgeklappert, kurze Ausflüge ins Umland gemacht. Doch nirgendwo hat man sich, wenn es schlecht läuft, länger als 3 Tage aufgehalten Eine richtige Verschnaufpause lag nicht drin. Die Erholung blieb somit auf der Strecke.


Macht so ein Urlaub wirklich Sinn?


Er hat auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Nur brauche ich für meinen Teil im Urlaub auch immer Erholung, was bedingt, dass ich mich unbedingt in Muße üben will. Eindrücke aufsaugen, Mentalitäten verstehen, einen Ort detailgenau erschließen, dazu braucht es eben explizit auch Muße. Gehetzt und auf Zeit getaktet werde ich nie in der Lage sein, in eine neue Kultur, in eine fremde Region vollends einzutauchen und sie vollumfänglich zu verstehen. Und das gehört meines Erachtens für mich zum Reisen absolut mit dazu.

 

 

Deshalb liebe ich es, auf kurzen Distanzen in meinem eigenen Land auf Entdeckungsreise zu gehen, Neues zu erleben und mir auch die Zeit dafür zu nehmen, ohne Jetlag, ohne großartige Reisevorbereitung und ohne den Stress, den ein langer Flug und die fremde Umgebung mit sich bringt.


Der große Vorteil des Heimspiels ist, das man sich mit den Gepflogenheiten, der Sprache, den kulturellen Eigenarten seines Landes relativ gut auskennt. Damit ist es um so vieles leichter und letztendlich bequemer, sich voll und ganz auf das Abenteuer Deutschland zu konzentrieren. Und trotzdem taucht man voller Faszination in den regionalen Gebräuchen und den vielfältigen Erlebnissen ab und kommt von einer Reise zurück, die bereichernd, und lehrreich war und selbstverständlich von spannenden Geschichten und kunterbunten Erinnerungen erzählt.


1000 Orte, die Du in Deutschland gesehen haben musst, bevor Dein Leben Dich loslässt. Warum nicht so einen Bestseller schreiben und ihn selbst erleben!

 

Eure

 

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