was hat die abwesenheit des glücks mit konsum zu tun?

05. APRIL 2020

 

An allen Enden und Ecken zerbrechen sich Menschen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit geraumer Zeit den Kopf darüber, wie wir unsere Umwelt, die Natur, unseren Lebensraum, den Planeten, unsere Erde noch retten können, denn es ist bereits fünf vor zwölf.


Der CO2 Ausstoß scheint dabei das ganz große Bottleneck zu sein. Fragen, wie wir in naher Zukunft nachhaltiger Reisen könnten, auf welche alternativen Fortbewegungsmittel wir umsteigen müssten, wie wir unsere wertvollsten Ressourcen schützen, verschonen oder durch Alternativen ersetzten sollten, damit wir unserem umweltverträglichen, lebensraumerhaltenden Ziel näher kämmen, stellen sich dem mitdenkenden Bürger genauso, wie die Frage nach der Vermeidung von Plastikmüll.


Guter Rat ist in diesem Fall aber teuer, denn so einfach, wie die unzählige Ratgeber den Minimalismus hypen, das einfache, um viele Konsumgüter reduziertere Leben idealisieren, so schwer wird es sicherlich der Mehrheit unserer Bevölkerung fallen, den eigenen Verzicht auf Konsum in allen Bereichen des Lebens radikal zu minimieren oder in einigen Fällen sogar komplett einzustellen.


Ein Blick auf die Oberfläche des Problems reicht dabei aber nicht aus, um bis auf den Grund der Ursache vorzudringen. Wie konnte es überhaupt so weit kommen, dass die Gier nach Kapital, nach monetären Werten, Besitztümern und irrsinnigen Anhäufungen von materiellen Gütern den Status Quo der Gesellschaft aktuell so dermaßen bestimmt und ein zerstörerisches Ausmaß annimmt?

 

Und was hat eigentlich die Abwesenheit von Glück mit Konsum zu tun?

 

Alle Menschen haben Grundbedürfnisse, die notwendigerweise erfüllt werden müssen, damit Leben überhaupt erst möglich und auch lebenswert sein kann. Dabei stehen gemäß der Maslowischen Hierarchie der Grundbedürfnisse Luft, Wasser, Nahrung und Wohnraum an erster Stelle und werden in der Rangfolge komplementiert durch Sicherheit, Geborgenheit, soziale Bedürfnisse, Wertschätzung und Selbstverwirklichung. Werden nun all diese Bedürfnisse in der Hierarchiefolge ausnahmslos erfüllt, erreicht der Mensch einen Zustand der Zufriedenheit und kann dabei Glück erfahren, wenn er all diese Attributes schätzen,wahrnehmen und ausleben kann.


Wie aber erklärt es sich, dass menschliche Errungenschaften mittlerweile weit von der eigentlichen Erfüllung der Grundbedürfnisse abschlagen und immer mehr mit der Erreichung gesellschaftskonformer Statussymbole gleich gesetzt werden und somit das Streben nach materiellem Reichtum eine ausbeuterische, gefräßige Ersatzbefriedigung für wahrhaftes Glück, Frieden und Genügsamkeit geworden ist?


Die Antwort liegt auf der Hand!!!!! Unsere Grundbedürfnisse werden niemals vollumfänglich und zufriedenstellend erfüllt.


Dabei mangelt es uns meistens an individueller und gesellschaftlicher Wertschätzung und wir leiden darüber hinaus an einem großen Defizit unsere Träume, Ziele und Wünsche zu leben sowie unseren Idealen zu folgen.


Und genau aus diesem Mangel erwächst eine krankhafte Sucht, die große Kluft zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung, die unsere wachsende Unzufriedenheit nährt, mit immer mehr Konsum zu schließen.

 

 

Auf den Straßen unserer Städte hetzten die Menschen von einem Kaufhaus in das nächsten, schleppen sich mit händevollen Einkaufstüten ab - feiertags wie wochentags. Keine Religion wird so groß geschrieben wie der Konsum, macht die Gesellschaft so hörig und so willig gleichermaßen.


Dieses fast schon besessene Verhalten führt unumgänglich dazu, dass die Industrien die Werbetrommeln in Dauerschleife rühren die Produktion bis zum Anschlag gängeln, immer neuere wahnwitzigere Ideen auf den Markt bringen, nur um die Spaßgesellschaft in ihren sinnlosen Kaufzwängen zu bestärken. Das Maß ist nie voll, Konsum kein individuelles Bedürfnis, sondern ein Massenphänomen, das Geiz ist geil propagiert und auf noch mehr Kaufkraft drängt.

Und weil die Gesellschaft irgendwann genug von den Gütern dieser Welt hat, übersättigt und der Völlerei erlegen ist, wird sich allem Überfluss , was ein „Zu-Viel“ suggeriert, auch ganz schnell wieder entledigt, nur um schon bald das Portemonnaie zu zücken, um sich die zehnte, noch schickere Jeans zu kaufen, die dann kaum getragen wird.


Höher, weiter, schneller, ja, darunter leidet mittlerweile eine der mächtigsten und einflußreichsten Industrien, die Modeindustrie, die sich in einem Teufelskreislauf befindet, aus dem aktuell kein entkommen scheint. Immer mehr Kollektionen pro Jahr, immer schnellere Produktionsslots, immer fantastischere Designs am Fließband und in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit gefertigt, immer bessere Ideen und Innovationen, immer mehr Superlativen in den Schaufenstern der teuren Einkaufstempel der Weltmetropolen. Und auf der anderen Seite: immer mehr elend, immer mehr Umweltsünden, immer mehr Armut und Not, immer mehr Ausbeutung zugunsten einer Privilegierten Gesellschaft, die ihre sinnentleerten Kaufzwänge einfach nicht mehr unter Kontrolle halten kann.


Das alles ist kein Glück, ist kein Leben und ist keine Welt, in der wir alle so unüberlegt und unreflektiert weitermachen sollten.


Doch dazu muss der Mensch sich seiner selbst erst wieder bewusst werden, verstehen, was seine Grundbedürfnisse sind, was ihn motiviert, antreibt und umtreibt. Was seine Leidenschaften schürt, wozu er sich im kleinen, wie im großen berufen fühlt, um die Balance zwischen quantitativer und qualitativer Lebensweise wieder herstellen zu können.

 

 

Minimalismus versus Materialismus. Wenn der Mensch versteht, wie wenig es braucht, um glücklich zu sein, um seinem Leben Sinn zu geben, alle Potenziale voll ausschöpfen zu können, ohne den Kapitalismus ausbeuterisch anzapfen zu müssen, der wird eine Kehrtwende erleben, die sich auch wie der wortwörtliche Dominoeffekt positiv auf die Nachhaltigkeit unserer aller Lebensweise auswirkt.


Erst wenn der ungesunde Überkonsum durch alle Instanzen reguliert und weitestgehend redundant wird, erst wenn sich Qualität gegen Quantität durchsetzt, erst wenn „Weniger ist mehr“ und „Qualität setzt sich durch“ zu gesellschaftsfähigen Slogans werden, kann das Thema Umwelt eine echte Chance bekommen. Vorher sicherlich nicht, denn der Weg, so wie er gerade vorgezeichnet ist, scheint noch ein weiter zu sein und die Spitze des Eisbergs ist tatsächlich auch nur die Spitze.

 

Jetzt denkst Du bestimmt, wie Du als kleines Rädchen in dem großen Räderwerk überhaupt eine bedeutungsvolle Rolle spielen kannst. Wenn sich erst ein Rädchen in Bewegung setzt, dann setzten sich irgendwann immer mehr kleine und größere Rädchen in Bewegung - und plötzlich ändert sich etwas, entwickelt das große Ganze, die Gesellschaft, eine in die richtige Richtung weisende Eigendynamik, mit der eine positive Veränderung einhergehen kann.
Wenn alle etwas zum besseren verändern, an einer Stellschraube drehen, ohne dabei gleich das gesamte Lebenskonzept auf den Kopf stellen zu müssen, dann ist bereits der erste Schritt getan.


Das kann beispielsweise der Verzicht auf Fleisch sein, oder die Überlegung nur ein Mal im Jahr mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fahren. Das kann auch bedeuten, Konsum zu teilen, ungetragene Kleidung an Bedürftige abzugeben, sich darauf zu fokussieren, was man dringenderweise benötigt und daher käuflich erwerben muss, weil es tatsächlich einen Zweck erfüllt.


Man kann auch endlich anfangen, sich mit sich selbst und seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, zu verstehen, was für das eigene Leben wirklich wichtig ist und was irrelevanterweise bislang zu viel Berücksichtigung erfahren hat. Schnell wird man feststellen, dass Werte wie Zeit, Freiheit und Selbstbestimmung eine viel bedeutsamere KOmponente im Leben darstellen, als alle materiellen Güter dieser Welt. Finde also Deine Werte und lebe sie! Dann lösen sich alle vermeintlichen PRobleme, persönlichen Missstände und Unzulänglichkeiten wie von selbst. Und dabei verliert dann auch das Damoklesschwert, nämlich der Über-Konsum, der drohend über unseren Köpfen hängt, seine bedrohliche, zerstörerische Macht und wir können wieder sein, wer wir sind und im Einklang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen gut und gerne leben.


Es ist diesen Versuch absolut wert, denn wie ich anfänglich schon erwähnte, die Zeit ist reif, sie ist überreif, denn es ist bereits fünf vor zwölf!

 

Eure

 

Kommentare: 0